Ist eine Sterbegeldversicherung sinnvoll?

    Robert Silberpfennig
    Pflegefachkraft · 10 Jahre Erfahrung in der ambulanten Pflege
    Zuletzt aktualisiert:
    Ehepaar wägt Vor- und Nachteile einer Sterbegeldversicherung ab

    Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Ob sich eine Sterbegeldversicherung lohnt, hängt von Ihrem Alter bei Vertragsabschluss, Ihrer Gesundheit und davon ab, ob Sie bereits eigene Rücklagen für die Bestattung gebildet haben. Dieser Ratgeber liefert eine strukturierte Entscheidungshilfe.

    Argumente, die für eine Sterbegeldversicherung sprechen

    • Garantierte Auszahlung der vollen Summe, auch wenn erst wenige Beiträge eingezahlt wurden (nach Wartezeit).
    • Schnelle Verfügbarkeit des Geldes für die bezugsberechtigte Person, unabhängig vom Erbschein-Verfahren.
    • Entlastung für Angehörige, die sonst kurzfristig Bestattungskosten vorfinanzieren müssten.
    • Planungssicherheit durch feste monatliche Beiträge.
    • Schutz als Schonvermögen bei Sozialleistungen.
    • Auch ohne Gesundheitsprüfung erhältlich – wichtig bei Vorerkrankungen.
    • Auszahlung an konkrete Person (z. B. Bestatter) durch Abtretung möglich.

    Argumente, die gegen eine Sterbegeldversicherung sprechen

    • Vertriebs- und Verwaltungskosten mindern die tatsächliche Rendite gegenüber dem reinen Ansparen.
    • Bei langer Laufzeit übersteigt die Summe der eingezahlten Beiträge oft die spätere Auszahlung deutlich (30–60 % Mehrkosten).
    • Wartezeiten bei vereinfachter Gesundheitsprüfung können den vollen Schutz verzögern.
    • Eine Kündigung vor Vertragsende ist häufig mit finanziellen Verlusten verbunden (niedriger Rückkaufswert).
    • Inflationsschutz nur über Dynamik-Klausel und gegen Aufpreis.
    • Steuerlich nicht absetzbar (im Privatbereich).

    Für wen lohnt sich der Abschluss eher?

    Besonders für ältere Menschen, die kaum noch Zeit haben, einen vergleichbaren Betrag anzusparen, oder für Menschen ohne nennenswerte Rücklagen kann eine Sterbegeldversicherung eine sinnvolle Absicherung sein. Wer dagegen frühzeitig vorsorgt und über finanzielle Disziplin verfügt, fährt mit einem eigenen Sparplan oder einem Bestattungsvorsorgevertrag häufig günstiger.

    Vergleichsrechnung: Sparplan vs. Versicherung

    Beispiel A – 55-jähriger gesunder Mann: 30 €/Monat über 30 Jahre = 10.800 € Beiträge → Auszahlung 5.000 €. Ein Tagesgeldkonto mit 1,5 % Verzinsung ergibt bei gleichen Einzahlungen ca. 13.700 €. Klar Sparen besser.

    Beispiel B – 75-jährige Witwe mit Bluthochdruck: 90 €/Monat × statistische Restlebenserwartung 12 Jahre = 12.960 € Beiträge → 5.000 € Auszahlung. Trotz Mehrkosten lohnt sich die Versicherung: Sie schützt vor Vorfinanzierungspflicht der Angehörigen und sichert Sofortauszahlung bei frühem Sterbefall.

    Entscheidungsmatrix

    • Unter 55 Jahre, gesund, sparfähig: Sparplan klar bevorzugt.
    • 55–65 Jahre, mittlere Gesundheit, einige Rücklagen: Bestattungsvorsorge mit Treuhand bevorzugen.
    • 65–75 Jahre, mittlere Gesundheit, wenig Rücklagen: Versicherung mit vereinfachter Gesundheitsprüfung.
    • 75+ oder mit Vorerkrankungen: Versicherung ohne Gesundheitsprüfung – Wartezeit akzeptieren.
    • Sozialleistungsempfänger: Treuhand-Bestattungsvorsorge optimal (Schonvermögensschutz).

    Worauf vor Abschluss prüfen

    • Vergleichsangebote von 3+ Anbietern einholen.
    • Summe aller voraussichtlichen Beitragszahlungen bis Endalter berechnen.
    • Wartezeit-Regelung im Detail lesen (inkl. Unfalltod-Klausel).
    • Beitragsfreistellung im Tarif vorgesehen?
    • Bezugsrecht/Abtretung an Bestatter möglich?
    • Mit Alternativen Sparplan und Bestattungsvorsorge gegenrechnen.

    Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Finanzberatung. Quellen: Stiftung Warentest, Verbraucherzentrale (Stand Juni 2026).

    Häufig gestellte Fragen

    Cookie-Einstellungen

    Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Webseitenerlebnis zu bieten. Dazu zählen Cookies, die für den Betrieb der Seite notwendig sind, sowie solche, die zu Analysezwecken genutzt werden. Sie entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.