Angehörige unterstützen

Ein umfassender Ratgeber für pflegende Angehörige: Entlastung, Unterstützung und Selbstfürsorge
Sie sind nicht allein
In Deutschland pflegen über 4,5 Millionen Menschen ihre Angehörigen zu Hause. Als pflegender Angehöriger leisten Sie eine wertvolle und herausfordernde Arbeit, die oft mit emotionalen, körperlichen und finanziellen Belastungen verbunden ist.
Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, welche Unterstützung verfügbar ist und wie Sie gut für sich selbst sorgen können, während Sie für andere da sind.
Entlastungsangebote nutzen
Verhinderungspflege
Bis zu 6 Wochen im Jahr können Sie sich vertreten lassen. Die Pflegekasse zahlt bis zu 1.612 Euro jährlich für eine Ersatzpflegekraft.
- • Stundenweise oder tageweise möglich
- • Auch für Urlaub oder Krankheit
- • Durch Angehörige oder Pflegedienst
- • Ab Pflegegrad 2 verfügbar
Tagespflege
Teilstationäre Betreuung während des Tages entlastet Sie und bietet der pflegebedürftigen Person soziale Kontakte und Aktivitäten.
- • Betreuung tagsüber in Einrichtung
- • Transport wird oft organisiert
- • Mahlzeiten und Aktivitäten inklusive
- • Kombinierbar mit ambulanter Pflege
Kurzzeitpflege
Vorübergehende vollstationäre Pflege für bis zu 8 Wochen im Jahr, wenn die häusliche Pflege zeitweise nicht möglich ist.
- • Nach Krankenhausaufenthalt
- • Bei Verschlechterung des Zustands
- • Für Ihre Erholung oder Urlaub
- • Bis zu 1.774 Euro jährlich
Entlastungsbetrag
125 Euro monatlich für Unterstützung im Alltag - von der Haushaltsführung bis zur Begleitung zu Terminen.
- • Haushaltshilfe
- • Begleitung zu Arztterminen
- • Einkaufshilfe
- • Betreuungsgruppen
Finanzielle Unterstützung
| Leistung | Betrag | Voraussetzungen | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Pflegegeld | 332-947€/Monat | Pflegegrad 2-5 | Für selbst organisierte Pflege |
| Entlastungsbetrag | 125€/Monat | Ab Pflegegrad 1 | Zweckgebunden verwendbar |
| Verhinderungspflege | Bis 1.612€/Jahr | Ab Pflegegrad 2 | Für 6 Wochen Ersatzpflege |
| Kurzzeitpflege | Bis 1.774€/Jahr | Ab Pflegegrad 2 | Für 8 Wochen stationäre Pflege |
| Pflegehilfsmittel | 42€/Monat | Ab Pflegegrad 1 | Für Verbrauchsmaterialien |
Selbstfürsorge - Denken Sie auch an sich
Warnsignale erkennen
- • Körperlich: Chronische Müdigkeit, Schlafstörungen, häufige Infekte
- • Emotional: Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit
- • Sozial: Isolation, Vernachlässigung eigener Interessen
- • Geistig: Konzentrationsprobleme, Vergesslichkeit
Präventionsmaßnahmen
- • Pausen einplanen: Regelmäßige Auszeiten sind essentiell
- • Hilfe annehmen: Unterstützung von Familie und Freunden
- • Grenzen setzen: Nicht alles allein bewältigen wollen
- • Hobbys pflegen: Eigene Interessen nicht aufgeben
Beratung und Unterstützung
Pflegeberatung
Kostenlose Beratung durch Ihre Pflegekasse zu allen Leistungen und Möglichkeiten.
Anspruch auf Beratungsgespräche alle 6 Monate (Grad 2-3) bzw. 3 Monate (Grad 4-5)
Angehörigengruppen
Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen und Gesprächskreisen.
Informationen über lokale Gruppen bei Beratungsstellen oder online
Psychologische Hilfe
Professionelle Unterstützung bei Überforderung und psychischen Belastungen.
Therapie oft von Krankenkasse übernommen, erste Beratung meist kostenfrei
Wichtige Notrufnummern
Krisenhilfe
- • Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222
- • Nummer gegen Kummer: 116 123
- • Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
Pflegeberatung
- • Pflegetelefon BMFSFJ: 030 20 17 91 31
- • Alzheimer-Telefon: 01803 17 10 17
- • Lokale Pflegestützpunkte